Von der Geburt an läuft alles falsch

Ein Geschäftsmann, der nach Deutschland kommt, hat eine Sekretärin, die seine Reiseroute plant. Sie legt den Termin fest, ordert die Flüge und bucht die Hotels. Wenn sie richtig gut ist, organisiert sie sogar das Rahmenprogramm und die weibliche Begleitung.

Ein Kind, das auf die Welt kommt, hat keine Sekretärin. Dafür Eltern. Die planen zwar auch, würden auf Basis einer Anstellung aber spätestens nach der Entbindung fristlos gefeuert. Weil sie zwar ähnliche Aufgaben wie eine Sekretärin haben, ihren Job aber nur äußerst unzureichend erfüllen. Beginnen wir mit den Parallelen zu einer guten Sekretärin: Eltern legen mit der Zeugung den Termin für die Geburt fest, ordern das Krankenhaus für die Entbindung und mieten eine größere Wohnung. Wenn sie richtig gut sind, organisieren sie sogar einen Kindergarten, in dem die Erzieherinnen weniger Bart haben als Papa.

Soweit die Übereinstimmungen. Kommen wir nun zu den kleinen, aber entscheidenden Abweichungen:

Der Termin ist immer falsch gelegt. Warum schreit ein Kind, wenn es das Licht der Welt erblickt? Um seine Lungen zu testen, sagt die Hebamme. Um sich zu beschweren, sage ich! Denn wir alle sind auf unseren großen Auftritt noch gar nicht vorbereitet. Das sieht man doch auch: Wir hatten keine Zeit mehr, uns etwas anzuziehen, wir sind nicht gekämmt und wir haben noch keinen Anwalt. Und den bräuchten wir dringend, wie wir nach dem ersten Blick feststellen. Zuerst ist da dieses Flutlicht: Scheinwerfer mit mindestens 1000 Watt, die wie beim Verhör eines südamerikanischen Terrorregimes auf uns gerichtet sind. Um das ganze zu untermauern, erblicken wir nach dem ersten Schreckensschrei mehrere vermummte Gestalten mit bluttriefenden Händen und Metzgerschürzen inmitten von blitzenden Klingen, obskuren Zangen und einer Schere. Und dazu ein kreidebleicher, wimmernder Vollidiot (offensichtlich ein ehemaliges Folteropfer, das ein paar Elektroschocks zu viel abbekommen hat), der alles mit einer Videokamera filmt und dauernd ohnmächtig wird.

Weiter geht der Ärger mit den Eltern dann mit der Bleibe, die sie – angeblich extra wegen uns – neu angemietet haben: Wieso hat die Wohnung eine Treppe, aber keine Rutsche? Wieso hat sie einen Sicherungskasten, aber keinen Sandkasten? Wieso liegen dort keine undefinierbaren Sachen auf dem Boden herum, die man sich blitzschnell in den Mund stecken kann, um sie abschmecken und einordnen zu können. Immer, wenn man Spaß haben will, muss man erst aus der Wohnung raus und auf einen dieser »Spielplätze«. Für was also überhaupt diese Wohnung? Gar nicht zu reden davon, dass alle Sachen, die so schön klirren, wenn man sie runter wirft, auf Schränken stehen, an die wir nicht rankommen. Das einzige, was wir erreichen, sind die Steckdosen. Aber die sind mit Plastikkappen abgedeckt.

Und das nennt man dann eine kindgerechte Wohnung!

Und so geht es weiter: Wir werden natürlich in einen Kindergarten gesteckt, der nicht in der Lage ist, unser geistiges Potential zu erkennen und zu fördern. Die meisten dieser Verwahranstalten haben nicht mal einen Computer. Statt dessen stoßen wir auf Frauen mit dem Sprachschatz einer Deutschfibel für Ausländer:

»Kevin, nein! Nicht die Enti! Kevin, pfui, pfui, Enti! «

Frauen mit der Grazie eines Armeeausbilders und dem Feingefühl eines Polizeihundeführers: »Kevin, aus! Oder will der Kevin Zöpfchen haben wie ein Mädchen? «

Dieses Aufeinandertreffen ist dann auch der erste Kontakt mit der Gattung »Pädagogin«,

auf die ich vielleicht später noch mal zu sprechen komme. Bis hierhin müssen wir nur wissen, woran man sie als Kind erkennt: Sie wollen ständig wissen, ob wir zu Hause geschlagen werden und ob unser Papa mit uns badet.

Wenn man dann den Fehler macht, ja zu sagen (und welches Kind wurde nie geschlagen und hat nicht mit seinem Papa gebadet?), bekommt man ruckzuck einen Termin bei einer anderen Frau. Die trägt dann immer eine Brille, hat einen Doktortitel, einen langen Doppelnamen und ist ein bisschen aufdringlich, aber lieb. Weil sie uns total tolle Wachsmalstifte gibt. Und mit denen, so fordert sie uns dann auf, sollen wir die Familie malen. Was ein bisschen schwierig ist, weil sie uns dauernd den schwarzen Stift geben will und dazwischen plappert: Ob man den Papa lieb hat, ob man ihn nicht ein bisschen größer malen will, ob der Papa auch eine schwarze Jacke hat, die doch bestimmt auf dem Bild toll aussieht, und ob wir nicht die Sonne kleiner und lieber ein bisschen Regen malen wollen. Letztlich ist es dann aber eigentlich völlig egal, mit welcher Farbe, in welcher Größe oder Gestalt man den Papa abbildet. Der Badespaß ist dann sofort vorbei, Mama weint ständig, Papa schläft auf der Couch und trinkt jeden Abend eine Flasche von dem Zeug, zu dem die Leute im Fernsehen immer ihren Chef einladen.

Man sieht, gäbe es zwischen Eltern und Kindern ein Anstellungsverhältnis mit gesetzlich geregelten Kündigungsmodalitäten, würden die wenigsten Erwachsenen auch nur die Probezeit überstehen. Aber Eltern kann man nicht feuern. Weil Kinder nämlich keine Gewerkschaft haben. Und warum haben Kinder keine Gewerkschaft? Weil man für Gewerkschaften Beiträge bezahlen muss. Und dafür bekommen Kinder zu wenig Taschengeld. Und von wem bekommen sie zu wenig Taschengeld? Von ihren Eltern. Und warum bekommen Kinder zu wenig Taschengeld? Weil sie sonst sofort eine Gewerkschaft gründen, Beiträge zahlen und ihre Eltern feuern würden.

Auch die Politiker sind nicht willens, an diesem Missstand etwas zu ändern. Weil sie natürlich schrecklich befangen sind. Denn Politiker können jederzeit Eltern werden. Aber nie mehr Kind.

Fazit: Man ist von Anfang an seinen Eltern hilflos ausgeliefert.

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Und zu einer weiteren Erkenntnis: In der Welt eines Mannes richten Frauen nur Unheil an

Aus diesem Grund wurden lange, glückliche Jahrhunderte hindurch auch auf Schiffen, in Kneipen, Regierungen, Kriegen und der Raumfahrt keine Frauen geduldet.

Eine zweite Raffiniertheit, die sich die Frauen des Mittelalters zur Züchtigung des Mannes einfallen ließen, war die Minne. Die Minne war ein Gespenst, das in den kranken Köpfen einsamer Frauen geboren wurde, die manchmal Jahre auf die Rückkehr ihres Mannes aus Schlacht oder Feldzug warteten. Nun fühlt sich aber eine Frau ohne Sinn und Funktion, wenn sie keinen Mann um sich hat, dem sie drei Dinge antun kann: ihn kritisieren (»Die Herzogs drei Burgen weiter haben schon wieder einen neuen Magier! «), beleidigen (»Wieso hast du eigentlich ein Visier? Ohne siehst du viel schrecklicher aus! «) oder beschimpfen (»Hätte ich bloß auf meine Mutter gehört und wäre ich ins Kloster gegangen. Da sind ja noch die Novizinnen männlicher als du! «). Und so beschlossen sie, dass es zu den Tugenden der Ritterlichkeit gehöre, eine verheiratete Edeldame zu lieben. Und weil nichts das Feuer eines Mannes schneller abkühlen lässt als die Erfüllung, war in der Minne natürlich Sex verboten. Es ging nur darum, die Frau zu begehren, zu bewundern, zu verwöhnen, zu preisen, zu besingen – und sich mit jedem dahergelaufenen Bauernlümmel auf Leben und Tod schlagen zu müssen, der darauf hinwies, dass die Traumfrau eine Nase wie eine Burgzinne, Brüste wie eine runtergelassene Zugbrücke oder eine Figur wie ein Burgfried hatte.

So kam es denn auch, dass die wenigsten Ritter im Bett oder auf dem Schlachtfeld starben. Die meisten fielen in Duellen, auf Turnieren oder wurden von wutschäumenden Ehemännern von der höchsten Zinne geworfen. Denn sobald eine Edeldame sich an den schwärmerischen Buhlereien eines jungen Hitzkopfes sattgenossen hatte, musste er, dem Lauf des Lebens folgend, dem nächsten weichen. Und das ging am ehesten, indem er nicht nur von der Bildfläche, sondern gleich aus dem Leben verschwand. Denn eine hohe Dame wollte sich ja nicht nachsagen lassen, sie hätte zwei Verehrer. Also gurrte sie dem jungen Heißsporn über ihre Zofe etwas vom nicht mehr zu besänftigenden Feuer des Leibes zu und bestellte den Junker, dessen Hormone eine Vorform dessen, was wir später als Rock’n’roll kennenlernten, tanzten, zu einer Liebesnacht in ihr Privatgemach. Das gleiche machte sie dann noch mit ihrem Ehemann – und zog sich mit ein bisschen Stickarbeit in einen Eckturm zurück, um auf den einen oder anderen Todesschrei zu warten.

Wir verlassen diese Jahrhunderte der Brutalität und rohen Gewalt und wenden uns einer etwas friedlicheren Epoche zu. Einer Epoche, die dem Miteinander der Geschlechter eine neue Dimension geben sollte: Der Hippie-Ära, auch Flower-Power genannt und in Deutschland mehr in Form der 68er-Bewegung bekannt.

Und in den neiderfüllten Erinnerungen derer, an denen sie irgendwie vorbeigelaufen ist, fest mit Drogen, Rockmusik und freier Liebe verbunden. Einer der schönsten Slogans dieser Zeit war: »Wer zweimal mit der Gleichen pennt, gehört schon zum Establishment«. Und da biss sich die freie Liebe – die Herren mögen mir das Bild verzeihen – kräftig in den eigenen Schwanz. Wie kann man die freie Liebe propagieren, wenn man ihr mit solchen Richtlinien gleich wieder Beschränkungen auferlegt? Kluge Köpfe, und selbstverständlich auch kluge Köpfinnen, erfanden deshalb sofort den Slogan »Wer nie mit einer zweimal pennt, ist Mitglied in Keith Richards Band« sowie die Losung »Wer immer mit der Gleichen pennt, der weiß nicht, wie ein Tripper brennt«.

Ohne abschweifen zu wollen: Wissen Sie eigentlich, wer die Hippie-Ära erfunden hat? Ist wirklich noch niemand außer mir darauf gekommen? Dabei liegt es doch auf der Hand: Genau wie der Valentinstag ist die Flower-Power eine geschickt inszenierte Innovation holländischer Blumengroßhändler! Ja, an diesen beiden Großereignissen pubertierender junger Menschen haben sich Generationen niederländischer Floristen gesundgestoßen. Ehrlich! Noch heute verbinden wir doch die Hippie-Ära mit drei Dingen: Haschisch, Blumen und Woodstock. Und wo kommen die meisten Blumen her? Aus Holland! Und wo kommt das meiste Haschisch her? Aus Holland! Und wo habe ich meine CD mit den Hits aus Woodstock gekauft? Online in Holland! Na, wenn das nicht Beweise genug sind!

Aber zurück zu den 6oern. Und zwar den 6oern in Deutschland. Eine der Grundlagen, auf denen die neue Gesellschaft nach den Vorstellungen ihrer engagierten Gründerväter fugen sollte, war das Fehlen von Regeln und Autoritäten.

Womit die Gruppe der Frauen (oder müsste es nicht stringenterweise »Mann/innen« heißen? ) schon mal von vornherein stark benachteiligt war: weil sie sich einer Regel erst mit den Wechseljahren entziehen konnte.

Aber lassen Sie uns die Geisteshaltung der Anti-Autorität mal an der Keimzelle der 68er-Bewegung betrachten: Der Kommune.

Eine Kommune ist eine WG aus gesellschaftspolitischen Gründen. Das heißt, dass jede ihrer Eigenheiten Protesthaltung oder Ausdruck einer neuen Freiheit des Denkens und Handelns bedeutet. Kerngedanke war das »Nicht-Müssen«. Das ging vom »nicht rentenversichert sein müssen«, über das »nicht Haare schneiden müssen«, bis zum »nicht treu sein müssen« – mithin also den Grundlagen von Papas schönem heilen Weltbild.

Eine Kommune zeichnete sich dadurch aus, dass viele Männer und Frauen zusammen in einem Haus lebten, auf dem Boden schliefen, sich nackt fotografieren liegen und alles rauchten, was sich trocknen ließ. Übrigens exakt die Beschreibung, die englische Wissenschaftler von einem Indiostamm abgaben, der vor kurzem in den unberührten Wäldern der Tropen entdeckt wurde. Eis dahin galten sie als ausgestorben. Die Indianer, meine ich, nicht die englischen Wissenschaftler.

Das Leben in einer Kommune richtete sich nach Bedürfnissen, nicht nach Zwängen. Alles wurde also nicht getan, wenn es getan werden musste oder sollte, sondern wenn es jemand machen wollte. Und aus dieser Begrifflichkeit entwickelten sich dann auch die Schwierigkeiten, an denen die Bewegung letztlich scheiterte. Nehmen wir, um diese Entwicklung an einem Beispiel zu verdeutlichen, einfach mal das ach so spießige und beliebte Klischee des Müllraustragens.

Wie war das nun in einer Kommune? Nun, erstmal gab es natürlich kaum Müll, weil ja alles wiederverwertet oder kompostiert wurde. Meist unter Schränken oder im Treppenhaus. Von dem, was übrigblieb, konnte man noch mal die Hälfte prima trocknen und rauchen. Oder auf Seile auffädeln und an die Touristen verkaufen. Das bisschen, was dann noch übrigblieb, kam in eine Jutetasche und wurde an die Tür gestellt, die natürlich immer auf war. Nicht, weil es sowieso nix zu stehlen gab, sondern weil die Gemeinschaft sich auf Vertrauen auch denen gegenüber gründete, die nicht dazugehörten. Und weil es natürlich wirklich nix zu klauen gab.

Was passierte jetzt mit dieser Tüte Müll? Hitzige Diskussionen innerhalb der Kommune führten zur Bildung von drei Meinungsblöcken: Erstens die, die der Meinung waren, dass es durch Hägar-Comics und Sitcoms in der Gesellschaft das Klischee vom Mann gäbe, in dessen Arbeitsbereich das Runterbringen des Mülls gehöre, und dass deshalb, um sich davon zu distanzieren, die Frauen es erledigen sollten. Zweitens die Gruppe derer, die der Meinung waren, dass Müllrunterbringen trotz aller Klischeevorstellungen de facto in den Arbeitsbereich der Frau falle und deshalb, um sich von dieser spießigen Tatsache zu distanzieren, von den Männern erledigt werden solle. Und drittens die Gruppe derer, die darauf hinwiesen, dass man doch eigentlich über solche verkrusteten Aufteilungen in Männer und Frauen hinweg sei. Gruppe Drei wurde daraufhin von Gruppe Zwei als Weicheier und von Gruppe Eins als Schwuchteln bezeichnet, und es wurde darauf hingewiesen, dass das vielleicht für die neue Gesellschaftsform und bei ihnen auch noch für den Sex gälte. Aber nicht für den Müll!

Und das war dann auch der Ausgangs- und Knackpunkt einer Entwicklung, die die 68er-Bewegung letztlich beendete, indem sie sie in drei Strömungen aufteilte: die Emanzipation, die Schwulenbewegung und die Männergruppen.

Es dürfte Ihnen inzwischen mehrfach aufgefallen sein, dass unser kleiner Streifzug durch die Geschichte erhebliche Lücken aufweist. Ich möchte mich deshalb an dieser Stelle für diesen Sprint durch die Vergangenheit entschuldigen – Sinn und Zweck des Exkurses war es nur zu zeigen, dass der Rolle des Geschlechterkampfes eine viel zu geringe Bedeutung in der Geschichtsschreibung beigemessen wird.

Besonders die Rolle der Frau wird in den Aufzeichnungen geradezu sträflich vernachlässigt. Ich möchte deshalb endlich die Gelegenheit ergreifen, mich im Namen aller meiner Geschlechtsgenossen dafür zu entschuldigen – und den Beweis antreten, dass es überwiegend Frauen waren, die die entscheidenden Wendepunkte der Historie setzten. Und das tue ich mit einer Auflistung wichtiger, aber verschollener Sätze weiblicher Zeitgenossinnen, die Geschichte machten:

»Natürlich weiß ich, dass es fünf Uhr morgens ist. Aber wenn du mich wirklich liebst, dann besorgst du mir jetzt ein paar Krakauer, Wolferl! « (Eva Braun, 1939)

»Warum hat eigentlich der Mao eine Mauer und du nicht? « (Frau Ulbricht, 1961)

»Wir haben übrigens keinen Zucker mehr, Odysseus. Kannst du auf dem Rückweg von Troja noch einen kleinen Umweg machen? (Penelope von Ithaka, ca. 12. Jh. v. Chr.)

»Komm Schatz, lag uns heute mal offen fahren! « (Jacky Kennedy, 1963)

»Du solltest viel mehr Obst essen! « (Eva)

»Schau mal, wie süß unser kleiner Roy in seinem Kleidchen aussieht! « (Mrs. Fitzgerald, deren Sohn später als »Rock Hudson« bekannt wurde)

»Was macht eigentlich dieser Knopf, Commander? « (Christa McAuliffe beim Start der US-Raumfähre Challenger, 28.01.1986)

»Scheiße, ist das dunkel hier! Schatz, zünde doch mal kurz was an! « (Poppaea Sabina, Gemahlin des Nero, 64 v. Chr.)

Soviel zur Reputation der Frau. Und jetzt noch ein letztes Wort zu diesem Thema.

Sicher kennen Sie alle den Satz: »Ein Mann ist das, was seine Frau aus ihm macht.« Dieser Satz stammt aus dem Sumerischen und stimmt – aber nur, wenn man ihn richtig übersetzt. Und dem ist in der gängigen Transkription leider nicht so. Richtig übertragen lautet er nämlich eigentlich so: »Ein Mann ist das, was seine Frau zulässt.«

So, inzwischen dürfte ich mir den Unmut des Klerus, der Historiker, aller Ex-68er und eines Großteils der Frauen zugezogen haben. Mithin also Zeit, diese launige Betrachtung zu beenden und zu schauen, ob ich nicht noch ein paar Gruppen ausgelassen habe.

Die Verbindung von Mann und Frau ist eine Erfindung der Zivilisation!

Und diese Tatsache werden wir im nächsten Schritt auf dem gemeinsamen Weg,den wir mit unserem Vorfahren jetzt gehen wollen, untermauern. Und dieser Weg führt uns in eine Hochkultur, deren Errungenschaften heutige Wissenschaftler noch immer vor Rätsel stellen: Dem Ägypten der alten Pharaonen. Ägyptische Pharaonen – da fallen den meisten Gefragten auf Anhieb drei Namen ein: Tutanchamun, Nofretete und Kleopatra. Gut! Gehen wir sie mal durch. Tutanchamun war ein Kind, das noch nicht einmal hinreichend erfolgreich pubertiert hatte, als man es mit ein paar Tonnen Gold im Wüstensand verscharrte. Nofretete, auch Nafteta, Nefertari oder von der Palastwache heimlich »Schnuckelchen« genannt, war entgegen der landläufigen Meinung keine Pharaonin, sondern nur die Frau eines Pharaos. Und Kleopatra war eine Königin, die lange nach der Hochphase Ägyptens mit vollem körperlichen Einsatz ein splitterndes Restreich zusammenzuschlafen versuchte. Und schon höre ich wieder den höhnischen Chor der altklugen Spötter: Ätsch, kein Mann unter den bekannten Namen. Ja, wie bei der Damen-Fußballnationalmannschaft – und zählen Sie doch mal deren Erfolge auf! Es gibt wirklich keinen Grund, sich jetzt unter schrillen Schlachtgesängen ägyptische Hieroglyphen auf die Fahnen der Emanzipation zu schreiben. Denn ähnlich wie im Boulevard-Journalismus treten auch in der Geschichtsschreibung gerne mal die Gestalten ins Rampenlicht, die sich weniger um die Entwicklung der Menschheit verdient gemacht haben, als die, die sich der drei Dünger menschlicher Neugier bedienten: Blut, Sperma und Tränen. Also betrachten wir unter dieser Prämisse noch einmal die Fakten, die uns die drei oben Genannten für die Nachwelt erhalten haben: Der eine, weil er reich und früh starb. Die zweite, weil sie den richtigen Mann geheiratet hatte. Und die dritte, weil sie mit allem schlief, was an der Spitze einer Armee nach Ägypten einzog (zu dieser Zeit kam übrigens in der römischen Kriegsführung der Einsatz einer Vorhut in Mode).

Und was lernen wir aus diesem Teil der Geschichte? Frauen benutzen Sex als Waffe!

Nun, bleiben wir noch ein bißchen bei Kleopatra. Auch wenn wir die ägyptische Geschichte damit wie einen Film betrachten, von dem wir nur den Abspann sehen. Zwei der berühmtesten Geschichtswissenschaftler unseres Jahrhunderts, die wohl zu den bekanntesten Vertretern ihrer Zunft seit Heinrich Schliemann und Thor Heyerdahl zählen, haben ihr ein Denkmal in Papier gesetzt: Goscinny und Uderzo. Ihnen verdanken wir ein feingezeichnetes Bild einer Königin, die als Musterbeispiel einer emanzipierten Frau gilt. Was also wissen wir von ihr? Sie trank in Essig gelöste Perlen, badete in Eselsmilch und hatte eine bezaubernde Nase. Das sind doch die Tatsachen, die die Geschichtsschreibung interessiert. Vor allem jene, die sowieso überwiegend in Frauenzeitschriften und auf Duplo-Sammelbildchen stattfindet. Und da lesen wir dann auch noch, daß Kleopatra ein paar Jahre später von Elisabeth Taylor gespielt wurde. Was übrigens nicht auf die geschichtsverdrehende Behauptung zurückzuführen ist, die Taylor habe die Rolle bekommen, weil sie eine Schulfreundin der Pharaonin gewesen sei. Dieses Gerücht ist bösartiger Rufmord, und so etwas würde Herr Mürri doch NIE tun. Tatsächlich war sie eine Schulfreundin ihrer Patentante. Sie merken gerade, daß das wenig mit Männern zu tun hat, nicht? Aber das ist ja das Schöne an einem Blog. Ich bin jenseits von Grammatik und Rechtschreibung an keine Regel gebunden, die ich nicht selbst aufgestellt habe. Aber jetzt genug der Beschäftigung mit Frauen, die sich ins Rampenlicht der Geschichte gedrängt haben wie ein Starlet zwischen zwei Oscar-Preisträger. Wenden wir Ägypten einfach den Rücken und uns einer etwas männlicheren Epoche zu: Willkommen im Zeitalter der Ritterlichkeit, der Turniere und der Minne. Willkommen im Mittelalter Europas.

Das Mittelalter heißt Mittelalter, weil man inzwischen Mittel gegen das Alter gefunden hatte. Oder wenigstens gegen den Geruch. Ein mittelalter Käse riecht auch nicht so streng wie ein richtig reifer Harzer Roller. Inzwischen hatte man nämlich das Bad und die Kleidung erfunden. Und die ließ sich etwas leichter und häufiger wechseln als der eigene Pelz. Mußte aber dafür auch gewaschen werden. Behaupteten jedenfalls die Frauen und hatten damit einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zur Domestizierung des Mannes getan. Betrachtet man auf historischen Stichen, in detailgetreuen Filmen oder in Frauenzeitschriften und auf Duplo-Sammelbildchen Darstellungen von Edelmännern des Mittelalters, fällt etwas sofort ins Auge: Rüschen, Krägen, Spitzen, Seide, Samt, Brokat, Pelz und viel zu enge Hosen. Abgesehen davon, daß diese Aufzählung wie die Ausstattungsliste einer Travestie-Truppe klingt, haben die genannten Stoffe und Verzierungen eine Gemeinsamkeit: Sie sind fast unmöglich zu waschen, ohne Form oder Funktion zu verlieren. Nur den Frauen war es, weiß der Geier wie, möglich: schließlich hatten sie diese Teufelei ja auch ersonnen. Und hinter Frauen-Teufeleien steckt immer System und ein Grund:

Frauen versuchen, Männer in die Abhängigkeit zu treiben!!

Die Kleidungstücke nämlich, die im Mittelalter auf dem Mist der Herren wuchsen, waren erheblich robuster und pflegeleichter. Ein schmuckes Kettenhemd, ein kleidsamer Brustharnisch, ein formschönes Lederwams, als Accessoire ein in seiner Filigranität dennoch wuchtiger Schild, abgerundet durch einen keck am Arm getragenen Morgenstern. Eine Kombination, die mithin nichts zu fürchten hatte als Rost oder einen wuchtigen Schwerthieb.

Verständlich, daß den Frauen diese Kleidungstücke ein Dorn im Auge waren, minderten sie doch ihren Einfluß auf die Herren. Die hingen nämlich nur noch auf dem Turnierfeld im Hof herum, hieben sich mit Holzschwertern auf die Metallanzüge und wuchteten sich gegenseitig mit stumpfen Lanzen von den Pferden. Aber mit den Möglichkeiten, die sich die Weiblichkeit im Laufe der Jahrhunderte zwischen Tisch und Bett zugelegt hatte, erreichten die Damen, daß die Herren ihre eigenen Kreationen nur noch außer Haus trugen. Tja, und da saßen sie dann auf ihren Rössern, gegürtet und gerüstet, mitten in Gottes freier Natur und seufzten sich gegenseitig an. Was tun, wenn man schon mal so rausgeputzt zusammenkam. Ein Turnier war leider nicht möglich, weil man dazu in die Burg mußte. Also tat man das naheliegendste und schlug sich ohne die Regeln des ritterlichen Kräftemessens ganz bourgeois die Schädel ein. Und so kam es zu den blutigen Schlachten und Kriegen des Mittelalters.

Hauptgrund der Blog-Entstehung: das weibliche Geschlecht

Warum wurde Herr Mürri mürrisch? Weil er wiederholt etwas versuchte, was aus vielerlei Gründen UNMÖGLICH ist: mit Frauen zu leben. Denn:

Männer können nicht mit Frauen leben. Das ist keine Behauptung, das ist eine Tatsache. Es liegt uns einfach in den Genen, im Blut und in der Geschichte. Mit anderen Worten: Es ist eine biologisch-historisch bedingte Tatsache, dass der Mann ein Einzelgänger ist. Um Ihnen die Spezies Mann und ihre Eigenarten gerade heute am Vatertag näher zu bringen, lassen Sie mich etwas ausholen:

Gott schuf den Mann. Und er sah, dass es gut war. Sehr gut sogar. So gut, dass Gott eigentlich rundum hätte zufrieden sein können. Denn siehe: Alles war spitze. Aber Gott schuf den Mann nach seinem Vorbild. Und da es ein Mensch wurde, kann Gott demnach auch nur ein Mensch gewesen sein. Und Menschen machen Fehler. Statt jetzt alles zu belassen wie es war, vielleicht noch schnell Fußball, schweißabsorbierende Socken und die Zellteilung für Säugetiere zu erfinden, schoss der Herrgott in seinem schöpferischen Eifer etwas über das Ziel hinaus.

»Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei«, sprach der Herr. Unbestritten eine These, der Mann nur beipflichten kann. Wahrscheinlich ging es unserem Urahn auch so, und er freute sich schon auf die kommende Zweisamkeit. Bestimmt hatte er auch schon einen Namen für den Gefährten im Kopf und überlegte gerade, ob er ihm zuerst »Sitz« oder »Bei Fuß« beibringen sollte.

Diese Naivität kostete den Mann eine Rippe und seinen Frieden. Dafür bekam er eine Frau. Bis heute ist die Frage nicht abschließend geklärt, ob das ein fairer Tausch war. Gott jedenfalls hatte scheinbar ein schlechtes Gewissen, denn der Mann bekam dann doch noch seinen Hund.

Wie alle großen Irrtümer der Geschichte, begann auch dieser Schöpfungsakt mit Zustimmung und Begeisterung.

Ich muss nicht daran erinnern, dass die Indianer auch jubelten, als Kolumbus in ihr Leben trat. Und dass dieser Jubel gleichzeitig der Abgesang auf eine Hochkultur war. Und genau wie später Häuptling Rothaut stellte sich auch Häuptling Blödmann hin und sprach: »Danke, Herr. Und das mit der Rippe ist auch in Ordnung. Eine weniger, die brechen kann.«

Dies war dann auch die Geburtsstunde einer Fähigkeit, die den Mann fortan auszeichnete: Sich alles irgendwie schönreden zu können. Obwohl das Reden keine der Fähigkeiten war, die den Mann im Zuge seiner weiteren Entwicklung bis auf Ausnahmen wie mich auszeichneten. Auch in der Genesis tat der Mann erst einmal etwas, dass es ihm noch heute, also Jahrhunderte später, erlaubt, wenigstens den kleinsten Teil seines Stolzes nicht runterschlucken zu müssen: Er konzentrierte sich auf das, was uns die Frauen damals wie heute nicht wegnehmen oder nachmachen konnten und können – er zeugte Kinder. Und was für Kinder! Zwei stramme Jungs, von denen der eine, nämlich Kain, sobald er kräftig genug war, dem anderen, nämlich Abel, mit einem Knochen den Schädel einschlug.

Und dieser Kain wurde dann zum Stammvater der Menschheit. Bitte ersparen Sie mir darauf zu antworten, mit welcher Frau er denn diese Menschheit gründete, wenn seine Eltern doch die ersten und einzigen Menschen gewesen sein sollen.

Bestimmt hat die Kirche dafür eine Erklärung, die nicht im Gegensatz zu den Inzest- Paragraphen unserer Gesetzgebung steht. Aber die Kirche konnte ja auch schon wunderbar erklären, dass während der Sintflut alle Tiere, die nicht auf Noahs Arche waren, ertranken. Sogar die Fische.

Mit Ihrer Erlaubnis entfernen wir uns jetzt etwas vom Lauf der Dinge, wie er in der Bibel beschrieben wird, und wenden uns den Tatsachen zu. Machen wir ein bisschen in Geschichte. Der Geschichte des Mannes.

Der Mann auf der Schwelle vom Affen zum Menschen war ein Tier. Das gleiche Prädikat heften sich seine Nachfolger auch heute noch gerne an. Die einzigen Gemeinsamkeiten liegen dabei aber meistens im Geruch sowie der Angewohnheit, sich zu allen passenden und unpassenden Gelegenheiten im Schritt zu kratzen.

Haben Sie sich übrigens jemals gefragt, warum Mann das tut? Haben Sie je eine Frau gesehen, die sich zwischen den Beinen kratzt? Und ist Ihnen jemals aufgefallen, dass dieses Phänomen zunimmt, je weiter Sie sich in den Süden begeben? Man könnte meinen, dass, je südlicher man lebt, desto größer die Angst wird vor dem Verlust von… ja, vor dem Verlust von was eigentlich? Vor dem Verlust von ca. 2oo Gramm Zellgewebe, das sich nur durch das Blut definiert, das – hoffentlich zum gewünschten Zeitpunkt und in ausreichender Menge und Dauer – hindurch strömt? Oder soll der Griff in die Privatsphäre nur Angst vor dem Verlust und damit die Existenz des Wackelkandidaten Potenz aufzeigen? Wie der prüfende Griff zur Brieftasche das sicherste Indiz für mitgeführte Finanzmittel ist?

Ich kann Ihnen die Frage auch nicht beantworten. Vielleicht, weil bei mir alles zur Zufriedenheit aller Beteiligten funktioniert und sicher an seinem Platze ist. Ich habe gerade noch mal nachgeschaut.

Zurück zum Thema: Der Mann im Zeitalter von ungeheizten Höhlen, rohem Fleisch und fehlender Hygiene. Wonach klingt das nur? Richtig: Nach Junggesellenleben oder der Urzeit. Und mit der wollen wir uns jetzt beschäftigen.

Wie war damals die Beziehung zwischen Mann und Frau? Nun, zuerst einmal muss man wissen, dass der Mann ein Jäger war. Was sowohl für die Nahrung als auch die Frauen galt. Das heißt, er näherte sich seiner Beute nur, um Grundbedürfnisse zu befriedigen. Praktischerweise war die Beute in beiden Fällen stark behaart und wurde mit der Keule ihrer Bestimmung zugeführt. Ein mehr oder weniger wuchtiger Schlag auf den Kopf, und Mammut oder Mami waren fertig zum Vernaschen. Verwechslungen nicht ausgeschlossen, denn der Mann war ja noch nicht der hellste. Und wie gesagt, da war ja noch diese fatale Ähnlichkeit…

Der Urmann hatte kein Wort für »Liebe«, »Treue« oder »Partnerschaft«. Jaaa, jetzt kommen die ganz Schlauen und sagen: Er hatte ja auch kein Wort für »Mikrowelle«, »Ozonloch« und »Präservativ«. Aber damit liefern sie gleich den Grund mit: Gab’s nämlich alles auch noch gar nicht. Die moderne Geschichtsschreibung, die wie alles in zunehmendem Maße in Frauenzeitschriften und auf Duplo-Sammelbildchen stattfindet, will uns zwar die eheähnliche Zweckgemeinschaft unterschieben, aber die Wahrheit ist nun einmal, dass der Mann ein Einzelgänger war. Warum sollte er sich auch an eine Frau binden?

Kochen war mangels Feuers noch nicht erfunden, das körpereigene Fell wurde beim Schlafen automatisch gebügelt, und Staubwischen war eine Tätigkeit, die dem Versuch geähnelt hätte, die Luft in den hohlen Händen aus der Höhle zu tragen.

Was will dieser Blog?

„Gute Menschen reizen die Geduld, böse reizen die Fantasy“, schrieb Oscar Wilde. Dieser Blog schafft Abhilfe gegen das Übermaß an guten Menschen. Gegen all die sonnige Heuchelei. Er soll beleben, erfrischen, beflügeln; so das sich die gute Laune des Nachbarn oder das ewig fröhliche Geplapper der Frühstücks-Radio-Moderatoren leichter ertragen lässt. Er soll Wunder wirken, wenn der Optimismus des Kollegen an den Nerven zehrt. Und beim Besuch der heiteren Tante – „ich denke immer positiv“ – soll das Denken an diesen Blog im Herzen für Gelassenheit sorgen. So böse und mürrisch sein ist nicht nur befreiend. Das schafft ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit. Es macht glücklich.

 

 

 

MÜrrischer Start

Das geht ja gut los – aber so typisch für mich. Es ist ja nicht meine Idee, meine Aggressivität auszuleben, in dem ich hier Dampf ablasse, und schon beim Erstellen des Benutzernamens kann ich den meinen nicht eingeben, denn ich heiße Mürri und nicht Muerri!!!!!!!